14.04.2015 | Projektrealisierung

Fallen der Wahrnehmung


Wie Organisationen und Menschen "ticken", wie sie entscheiden, warum sich Objektivierung lohnt.     

Intuitives Entscheiden beruht auf Erfahrung und damit spricht man von impliziter Information – oder implizitem Wissen – man kann dieses Wissen oft nicht begründen, es passiert, "der Bauch weiß es".

Rationales Entscheiden (kognitives Entscheiden) baut auf explizitem Wissen (Daten, Informationen etc.) und bewusster Abwägung auf. Man kann zumindest erklären, was für oder gegen eine bestimmte Entscheidung gesprochen hat.

Was ist die bessere Strategie?

Klare Antwort der Wissenschaft: Eigentlich ist die populäre Fragestellung schon nicht ganz korrekt. Tatsächlich haben Menschen "beide Programme" für ihre Entscheidungen – wenn auch mit unterschiedlicher Ausprägung. Nobelpreisträger D. Kahneman spricht von System I (intuitiv, emotional, impulsiv) und System II (kognitiv).

System I ist ein evolutionär notwendiges, dauernd laufendes Programm mit weitestgehend unbewussten Prozessen. Wir können System I – weil es evolutionär für uns notwendige Fähigkeiten hat – weder individuell und auch in Organisationen nicht wegschalten, deshalb ist "implizites Wissen" immer dabei. Kahneman charakterisiert System II als das System, welches System I kontrolliert. Diese Kontrolle ist wichtig, denn System I hat leider auch "Fähigkeiten", die zu massiven Fehleinschätzungen und Fehlentscheidungen führen können. Die "Kontrolle von System I" ist jedoch energieaufwendig (anstrengend) und System II ist ebenfalls auch nicht immun gegenüber Fehlschlüssen.

Um "Entscheidungsqualität" zu verbessern, empfiehlt Kahneman

  • ein grundsätzliches Verständnis und eine Akzeptanz dafür, dass wir überwiegend mit System I arbeiten und damit ständig im emotionalen Minenfeld sind,
  • systematisch und bewusst System II "um Verstärkung zu bitten",
  • und: "langsamer zu denken".

Im Prinzip bedeutet dies: Bewussten Einsatz von System II, das heißt von expliziter Information bzw. explizitem Wissen – wodurch wir dort und da natürlich "langsamer werden".

What you see is all there is (WYSIATI) – nur was man gerade weiß zählt.

System I ist eine effiziente Assoziationsmaschine, die sich aufgrund der aktivierten Vorstellungen und Modelle ganz schnell hervorragende, kohärente Bilder und Geschichten baut. Sind Informationen knapp oder unvollständig, baut sich System I trotzdem eine für uns gute Geschichte und macht Urteilssprünge: Kahneman nennt diese Urteilssprünge "voreilige Schlussfolgerungen" [...]

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